A due cembali. Zu Gast im Zimmermann’schen Kaffeehaus

Von 1729 bis 1740 leitete Johann Sebastian Bach das Leipziger «Collegium Musicum». Dieses Ensemble, das sich aus bürgerlichen und studentischen Liebhabern zusammensetzte, konzertierte regelmässig im «Zimmermannischen Caffee-Hauß». Ab Sommer 1733 war «ein neuer Clavicymbal, dergleichen allhier noch nicht gehöret worden» die besondere Attraktion dieser Konzerte. Und so arrangierte Bach nicht nur die im «Vivaldi-Fieber» der Weimarer Jahre verfassten Doppelkonzerte für zwei Cembali. Bei deren Aufführung im Zimmermann’schen Kaffee-Haus bestritt er auch – so wird vermutet – gemeinsam mit einem seiner beiden älteren Söhne die beiden Solopartien.

Die beiden Doppelkonzerte in c-Moll (BWV 1060 und 1062) bildeten am 20. September 2026 den Programmschwerpunkt des Konzerts «A due cembali» im Dom zu Arlesheim. Es erklang u.a. eine Kopie eines Cembalos von Johann Heinrich Gräbner (1705–1777). Gräbner war (wie Gottfried Silbermann) Sächsischer Hof-Orgelbauer und mit J. S. Bach dank seines Bruders Christian Heinrich verbunden, der seinerzeit bei Bach in Leipzig Unterricht erhielt.

Am Cembalo wirkten Aline Zylberajch, emeritierte Professorin für Cembalo am Conservatoire Strassburg, David Blunden und Markus Schwenkreis. Sie wurden begleitet von den unverwechselbaren Streicherklängen des Capricornus Consort Basel unter der Leitung von Peter Barczi.

«Da wurde mein Herz wieder leichter» – Musik zum Mai-Anfang

Unter dem Titel «Da wurde mein Herz wieder leichter» spielte Erwin Wiersinga am 3. Mai 2026 ein beschwingtes Programm mit Werken von Georg Böhm, Pierre du Mage, Jan Pieterszoon Sweelinck, Antonio Vivaldi, J. S. Bach u. a.

Einer der Höhepunkte des Programms waren die von Jan Pieterszoon Sweelinck verfassten Variationen über das Volkslied «Onder een Linde Groen», dessen Text auch der Titel des Programms entstammte. Mit einigen Sätzen aus Pierre du Mage’s «Premier Livre d’Orgue», einer Bach’schen Bearbeitung eines Concerto grosso von Vivaldi (BWV 976) und J. S. Bachs Praeludium und Fuge C-Dur (BWV 545) präsentierte sich auch die Silbermann-Orgel des Doms von ihrer besten Seite.

Der Solist des Abends, Erwin Wiersinga, ist Titularorganist der grossen Arp-Schnitger-Orgel der Martinikirche Groningen (NL). Er konzertierte in letzter Zeit in vielen europäischen Ländern als auch in den USA, Korea, China und Japan und hat sich nicht zuletzt durch seine Beiträge zum Projekt der Netherlands Bach Society «All of Bach» einen Namen gemacht.

J. S. Bach: Weihnachts-Oratorium (200. Domkonzert)

Am Jubiläumskonzert der seit 1974 bestehenden Reihe der Domkonzerte Arlesheim gelangte das gesamte Weihnachts-Oratorium von Johann Sebastian Bach zur Aufführung. Auf zwei Abende verteilt (4. und 6. Januar 2026) erklangen alle sechs Kantaten dieses Werks, das 1734 zur festlichen Gestaltung der Weihnachtsgottesdienste in Leipzig entstand.

Bach und sein Librettist kommentieren im Weihnachtsoratorium den vom Evangelisten vorgetragenen Text der Weihnachtsgeschichte mit einem wohldurchdachten Arrangement aus reich instrumentierten Chören, Arien, Rezitativen und Choralstrophen. Dass Bach bei der musikalischen Umsetzung auf bereits komponierte Huldigungskantaten für das sächsische Fürstenhaus zurückgriff, darf als Glücksfall bezeichnet werden: Nicht zuletzt dank des populären Tons dieser Vorlagen wurde das Weihnachts-Oratorium zu einer der erfolgreichsten geistlichen Kompositionen des Leipziger Meisters.

Ausführende: Basler Vokalsolisten / Capricornus Consort Basel; Leitung: Sebastian Goll; Einführungsvorträge: Berit Drechsel

Fotos: Simon Reich

Domkonzerte Arlesheim

«Es muss ein stressiger Job gewesen sein»

J. S. Bach: Vater – Lehrer – Vorbild. Orgelmusik von seinen Söhnen, Schülern und Bewunderern

In seinem Konzertprogramm (16. November 2025) spürte der junge französische Organist Olivier Wyrwas dem Einfluss nach, den Johann Sebastian Bach auf die ihm nachfolgende Generation als Vater, Lehrer und Vorbild gehabt hat.

Von J. S. Bach selbst erklangen Orgel-Arrangements einiger Kammermusikwerke, daneben u.a. Musik seiner Meisterschüler Johann Christian Kittel und Johann Gottfried Müthel sowie seines zweiten Sohns Carl Philipp Emanuel.

Der Solist des Abends stellte aber auch sich selbst in die Reihe der Musiker, die sich von Bachs Vorbild beeinflussen lassen: Mit zwei Werken im barocken Stil eiferte Olivier Wyrwas dem grossen Leipziger Orgelmeister nach und wagte sich zum Finale seines Konzerts sogar an die Aufgabe, eine Fuge über ein Bach-Thema zu improvisieren.

1991 in Moselle geboren, studierte Olivier Wyrwas Orgel in Metz und an der Schola Cantorum in Basel und ist als Konzertorganist international gefragt. Er unterrichtet am Conservatoire in Mulhouse eine Orgelklasse, ausserdem Improvisation am Pôle Supérieur in Paris. Als Titularorganist betreut er die historischen Instrumente am Temple Saint Jean and Saint Étienne in Mulhouse.

Dritte Arlesheimer Orgelnacht im Dom und in der reformierten Kirche

Nach einer längeren Pause luden die Arlesheimer Organisten am 20. September 2025 zur dritten «Arlesheimer Orgelnacht» ein. Im Zentrum der halbstündigen und kurzweiligen Konzerte standen die beiden Instrumente des Orts: zum einen die historische, 1761 erbaute Silbermann-Orgel des Doms, zum anderen das moderne, von Neidhardt und Lhôte 1973 in einem spätromantischen Gehäuse errichtete Instrument der reformierten Kirche.

Das Eröffnungskonzert bestritten Schülerinnen und Schüler der Musikschule Arlesheim, und das Schlusskonzert wartete mit einigen besonderen Überraschungen auf.

Ausführende: Schülerinnen und Schüler der Musikschule Arlesheim. An den Orgeln: David Blunden, Johannes Fankhauser, Thilo Muster, Markus Schwenkreis, Alexandra Weidlich.

› Programm «Arlesheimer Orgelnacht» (PDF)

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