Kein Freud ohn’ Dich

Der franko-flämische Komponist und Sänger Josquin Desprez beherrschte alle kontrapunktischen Techniken der Frührenaissance meisterlich und war schon zu Lebzeiten eine Berühmtheit.

Aus Anlass seines 500. Todestages präsentierten die Domkonzerte ein Programm mit dem auf die Musik der Renaissance spezialisierten Gamben-Consort «The Earle His Viols» sowie Sabine Lutzenberger und Ivo Haun, Gesang.

Josquin gilt als überragender Meister der Vokalpolyphonie. Daneben wurde insbesondere seine Fähigkeit, einen Text «zum Sprechen zu bringen», ihn in prägnanten, meist ganz kurzen Motiven emphatisch-gefühlshaft abzubilden, schon von seinen Zeitgenossen gerühmt. Vor dem Hintergrund der Bewegung des Humanismus trug er mit dieser neuartigen Ausdrucksgestaltung massgeblich zur Überwindung des mittelalterlichen Rationalismus zugunsten einer Vermenschlichung der Musik bei.

Das Programm mit zwei Gesangstimmen und Renaissancegamben in den verbleibenden Stimmen spürte in geistlichen und weltlichen Klageliedern dem Dichter-Ich nach, das über den Verlust eines geliebten Menschen und das Gefühl des Verlassenseins spricht.

«Veni creator»

An Pfingsten 2021 zu Gast an der Silbermann-Orgel war die aus der Normandie stammende und u.a. an der Schola Cantorum Basiliensis ausgebildete Organistin Marie-Odile Vigreux. Sie ist Organistin an der katholischen Kirche Heilig Kreuz in Binningen und in Arlesheim auch als Leiterin des Domchors bekannt.

Ihr Programm zum Pfingstfest eröffnete sie mit der Orgelbearbeitung des Pfingsthymnus’ Veni creator spiritus des französischen Organisten Nicolas de Grigny. Die fünf Teile des Werks mit ihrer auch von J.S. Bach bewunderten Mischung aus eleganten Tanzsätzen und gelehrtem Kontrapunkt brachten die Farben der französisch geprägten Barockorgel aufs Schönste zur Geltung. Eine andere, für den jungen Bach prägende Persönlichkeit war Georg Böhm, dessen Variationen über den Choral «Freu dich sehr, o meine Seele» insbesondere vom Erfindungsreichtum der französischen Verzierungskunst Zeugnis geben.

Henry Purcell, einer der bedeutendsten englischen Komponisten aller Zeiten, hat leider nur wenige Orgelwerke hinterlassen. Die Freiheit und virtuose Beredsamkeit seines Voluntary in d for double organ lässt an einen versierten Orgelimprovisator denken, der Purcell gewiss gewesen ist.

Die Fantasia G-Dur, von J.S. Bach selbst auch Pièce d’orgue genannt, vermittelt mit ihren Tongirlanden und ihrer harmonischen Fülle kongenial die Freude über die Aussendung des Heiligen Geistes.

Aufgrund der beschränkten Besucherzahl fand zusätzlich zum ersten Konzert vom Pfingstsonntag eine Zweitaufführung am Pfingstmontag statt. Beide Konzerte waren ausverkauft.

«… um die Gemüter etwas aufzumuntern»

Mit Jan Katzschke war am 25. Oktober 2020 nicht nur ein ausgewiesener Spezialist für die mitteldeutsche Kirchenmusiktradition Solist des Domkonzerts. Katzschke ist auch ein profunder Kenner der von Gottfried Silbermann erbauten Barockorgeln Sachsens.

Der Onkel des Erbauers der Arlesheimer Orgel, Johann Andreas Silbermann, schuf Instrumente, die bereits zu seinen Lebzeiten berühmt waren. Heute sind noch 31 Instrumente Gottfrieds Silbermanns erhalten und prägen die Orgellandschaft Sachsens. Mit seinem Programm, u.a. mit Werken von Weckmann, Kuhnau, Krieger und J.S. Bach, also mit Musik aus dem Umfeld von Gottfried Silbermann, grüsste Katzschke sozusagen von Silbermann zu Silbermann.

Jan Katzschke studierte Cembalo und Kirchenmusik in Hannover. Anschliessend begann er im sächsischen Freiberg seine freischaffende Konzerttätigkeit. Heute pendelt er zwischen seiner niedersächsischen Heimat und Sachsen und konzertiert international als Organist und Cembalist.

«Fantasien aus dem Kopfe» Orgelkonzert mit Rudolf Lutz

Nachdem die ersten beiden Domkonzerte entfallen mussten, war es uns eine besondere Freude, am 6. September 2020, Rudolf Lutz, den bekannten Organisten, Komponisten und langjährigen Dozenten für historische Improvisation an der Silbermann-Orgel zu begrüssen.

Nach einzelnen Sätzen aus dem «Premier Livre D’Orgue» des renommierten Organisten und Orgelkomponisten Pierre du Mage (1674-1751) führte er, bezugnehmend auf Variationen aus Bachs Choralpartita «Sei gegrüsset, Jesu gütig» BWV 768 einen gegebenen Choral «durch». Das bedeutet, dass er die Bach’schen Variationen improvisierend auf die gegebene Choralmelodie übertrug.

Anschliessend improvisierte Lutz ein Präludium und eine Doppelfuge im Stile Bachs, wobei es dem Publikum freistand, den Affekt des Präludiums sowie die Tonart der Fuge vorzugeben. Einzig die Kombination der beiden Fugenthemen bereitete der Solist vor.

Nach einigen improvisierten Intermezzi über spontan zugerufene Aufgaben zu Themen, Affekten, Volksliedern etc. erklang zum Abschluss die von Rudolf Lutz ergänzte Sonate in d-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy. Das in der Bodleian Library in Oxford aufbewahrte Notenblatt enthält einzig den Choral «O Haupt voll Blut und Wunden», dazu die erste Hälfte einer Variation. Daraus hat Lutz 2007/08 eine dreisätzige Sonate im Stile Mendelssohns entwickelt.

Bach – Händel – Mozart

Als Solist des letzten Domkonzerts der Saison 2019 war Daniel Maurer am 20. Oktober an der Silbermann-Orgel zu hören. Der Titularorganist an der Kirche St. Thomas in Strasbourg und Professor für Orgel am dortigen Conservatoire Nationale spann mit seinem Programm ein vielschichtiges Gewebe aus Werken der drei herausragenden deutschen Komponisten des 18. Jahrhunderts.

Die grosse Fantasie in g-Moll BWV 542, eines der hinsichtlich seiner Harmonik kühnsten Werke J. S. Bachs, hat dieser möglicherweise für seine Bewerbung um den Organistenposten an St. Jacobi in Hamburg verfasst. Vermutlich nur wenige Jahre später entstand die Triosonate Es-Dur, die Bach für die Ausbildung seines Sohnes Wilhelm Friedemann geschrieben hat. Noch heute gehört sie zu den Prüfsteinen einer jeden professionellen Organistenausbildung.

Von G. F. Händel erklangen drei Flötenuhrstücke, also kleine Kompositionen für eine Vorläuferin der Drehorgel.

Just im Entstehungsjahr der Arlesheimer Orgel (1761) sind die ersten Klavierkompositionen des damals erst fünf Jahre alten Wunderkinds Wolfgang Amadeus Mozart entstanden.

Mit Daniel Maurers eigener Fassung des Konzerts für vier Cembali a-Moll von J.S. Bach für Orgel solo erklang als grandioser Schlusspunkt des Programms eine Bearbeitung einer Bearbeitung, denn auch das Bach’sche Konzert ist ein Arrangement eines Konzerts für vier Violinen von Antonio Vivaldi.